Hallo Juicy Jay,
es geht hier nicht grundsätzlich darum, jemandem eine Operation auszureden, die Frage ist, ob sie vermeidbar ist.
Ich kann mir vorstellen, daß Du, wenn Du Deine Ausbildung beginnst, beschwerdefrei sein willst, damit Du nicht gehandicapt bist. Ist es denn sicher, daß Du von Anfang an Massagen o.ä. durchführen mußt? Kennst Du den Ausbildungsplan schon?
Da ich nicht weiß, wie Dein Basketballtraining ausgesehen hat, kann ich eigentlich nur ein wenig spekulieren.
Generell ist eine Ball- und Wurfsportart von der Kraftrichtung her primär nach vorn gerichtet. Wenn das Training diesen Umstand nicht berücksichtigt und für Ausgleich sorgt, kann sich dabei eine kräftige Muskulatur in der vorderen Schulter und der Brust entwickeln, ohne daß die hintere Schulter und der Rücken sich in gleicher Stärke mitentwickeln. Durch die Wurfbewegung werden die vorderen Muskeln kontrahiert, die hinteren gedehnt.
Nun zum Krafttraining. Du kannst möglicherweise gut beurteilen, ob die Kraftentwicklung bei Push-Übungen wie Bankdrücken, Frontdrücken, Dips etc. gleich der bei den Pull-Übungen wie Klimmzüge, Latzug, Rudern etc. war.
Hat Dein GK-Plan gleich viele ziehende und drückende Übungen gehabt?
Interessanterweise hast Du Deine Schmerzen genauso wie ich bei starken Gewichtssteigerungen in drückenden Übungen bekommen. Bei diesen wird der Oberarmkopf nach vorn oben gedrückt (Dips) bzw. dadurch, daß der Arm über Schulterhöhe gehoben wird, der aufgrund der Dysbalance möglicherweise ohnehin schon enge Spalt zwischen Oberarmkopf und Schulterdach verengt, dadurch Schleimbeutel und Supraspinatussehne gereizt.
Selbst bei einem ausbalancierten GK-Plan werden Dysbalancen meiner Meinung nach erst einmal verstärkt, da die schwachen Muskeln den starken nicht hinterherkommen.
Was sagt eigentlich der Physiologe zu Deiner Rückenmuskulatur?
Durch den Unfall mußtest Du Dich insgesamt fünf Monate schonen, wenn ich richtig gerechnet habe? Die Labrumläsion deutet darauf hin, daß Du Dir die Schulter fast ausgerenkt hast. Was ist denn da genau passiert? Jedenfalls könnte ich mir vorstellen, daß es Dir dabei die Bänder ordentlich gedehnt hat und deshalb die Schulter instabil ist. Ist Deine rechte Schulter auch instabil? Was sagt der Physio?
Ich denke, daß die Tatsache, daß beide Schultern schmerzen, ein klares Signal dafür ist, daß die Problematik durch den Unfall/die Instabilität nicht hervorgerufen, sondern nur verschlimmert wurde. Daher ist das Training der gesamten Rotatorenmanschette natürlich sinnvoll. Genauso sinnvoll ist es, den Außenrotatoren mehr Aufmerksamkeit zu widmen, um den Gelenkspalt mit der Zeit zu vergrößern und damit die Sehnen zu entlasten. Beim Training darf man natürlich generell nicht übertreiben.
Ich habe die Empfehlung bekommen, die Außenrotation mindestens doppelt so häufig wie die Innenrotation zu trainieren.
Du sagst, Du kannst die Außenrotation genausogut mit dem Theraband oder einer Hantel machen. Da muß ich Dir insoweit recht geben, als es um die Bewegung geht. Wenn aber nicht dafür gesorgt wird, daß möglichst der Infraspinatus und der Teres minor die Hauptarbeit machen, können diese beiden Muskeln, die ja wesentlich dazu beitragen, den Oberarmkopf nach hinten/unten in der Gelenkpfanne zu zentrieren, nicht so effektiv gekräftigt werden, da unwillkürlich immer andere Muskeln unterstützend mithelfen. Wenn man dann noch ein wenig zu viel Gewicht nimmt, weil man es gut meint, kommen die beiden überhaupt nicht mehr richtig zum Zuge. Hier kommt die Schulterhilfe ins Spiel.
Meine Nachbarin bildet Physiotherapeuten aus. Sie konnte mir keine Übung nennen, die den Supraspinatus und Teres minor maximal isoliert und ohne Hilfe ausgeführt werden kann. Lies Dir vielleicht dazu noch mal diesen Text auf der Startseite durch:
Wirksamkeit der Schulterhilfe. Die restlichen Informationen sind ebenfalls wertvoll.
Immerhin schreibst Du, daß es Dir durch das Außenrotatorentraining langsam besser geht, was zeigt, daß Du auf dem richtigen Weg bist. Ich glaube, daß Du es schaffen kannst, durch das Training den Oberarmkopf bei beiden Schultern wieder richtig im Gelenk zu zentrieren und damit Deine Schmerzen auch ohne Operation loszuwerden. Gib Dir eine Chance. Schließlich hast Du die Probleme erworben und leidest nicht schon immer daran.
Dysbalancen werden Dir in Deinem Beruf ständig begegnen. Gut, wenn Du damit umzugehen weißt.
Tu mir bitte den Gefallen und versuche, mir möglichst alle Fragen zu beantworten. Dann können wir Deine Situation besser beurteilen.
Georg