Nachdem ich schon seit Monaten einen Erfahrungsbericht schreiben wollte, macht es mittlerweile auch Sinn. Bisher war die Verbesserung nicht wirklich anhaltend, deswegen habe ich mit einem Bericht gewartet.
Mittlerweile habe ich kaum noch Probleme mit beiden Schultern.
Angefangen hat alles mit frozen shoulder rechts Okt. 2008.
Da ich sonst immer gesundheitlich sehr robust war, dachte ich natürlich, dass dies auch wieder mehr oder weniger schnell verschwinden würde.
Weil die rechte Schulter Schwierigkeiten machte, habe ich die linke überlastet, so dass auch dort Schmerzen auftauchten.
Erster Arztbesuch beim Sportorthopäden in einem Schmerzzentrum. Diagnose rechts frozen shoulder, 'Schauen Sie doch mal im Internet nach, man weiß noch wenig darüber.' Für die linke Schulter hatte er vergessen die Diagnose aufzuschreiben.
Ich konnte über Monate mich kaum bewegen. In der Akutphase mit ach und krach noch selber auf die Toilette gehen. Anziehen und waschen ging nur mit Hilfe. Durchschlafen konnte ich nicht. Sehr starke Schmerzen. Unglaublich!
Ich hatte x Rückfälle, durch leichte Belastungen wie z.B. etwas Besteck abspülen. Dann musste ich wieder Schmerzmittel 1 Woche nehmen und 1 Woche konnte ich fast nichts machen. Es war zum Mäusemelken und einige Male war ich richtig verzweifelt.
Physiotherapie war auch eine Enttäuschung. Z.B. war die Schulterhilfe den Therapeuten teilweise unbekannt. Keiner hatte das Gerät vor Ort. Im nachhinein mir völlig unverständlich.
Arzt und Physiotherapeut behandelten aus meiner Sicht nach dem Motto: die Schmerzmittel und der natürliche Heilungsprozess des Körpers wird’s schon richten.
Mir hätte es schon viel geholfen, wenn mich anfangs einer der Fachleute gewarnt hätte, dass Schulter nicht zu unterschätzen ist, weil sehr empfindliches Gelenk.
Geholfen hätte mir auch eine 'angleitete' Ursachenforschung, damit die Schultern auch wirklich besser werden können. Die sieht nach monatelanger Selbstanalyse bei mir so aus:
- Autofahren: habe eine rel. schwergängige Servo mit breiten runflat-Reifen und bin zu weit weg vom Lenkrad gesessen (weil ich halt groß bin). Dadurch wirken mehr Hebelkräfte auf die Schultern. Bin über Jahre sehr viel Kilometer gefahren. Leider bin ich auch immer wieder mal wenn die Schultern besser waren kurze Strecken gefahren. Mit meinem Auto fahre ich nun seit Monaten nicht mehr. Ich glaube, dass ich aus Vorsicht ein anderes Fahrzeug kaufe, ich warte aber noch vielleicht 3 Monate. Man sollte darauf achten, dass man wirklich richtig sitzt, Lenkrad ganz rausziehen und am besten entsprechendes Zubehör im Fahrzeug hat. Z.B. bei BMW Servotronic. Damit lässt sich wirklich mit zwei Fingern lenken. Wie groß der Unterschied ist, merkt man natürlich erst wenn man Probleme hat.
- psychologische/seelische Gründe: in meiner Familie gab es zu dieser Zeit plötzlich massive Konflikte. Dabei merkte ich, dass ich für meine Eltern immer 'mitgetragen' habe. Ich hatte das über sehr viel Jahre gemacht, machte es aber immer gerne. Kein Wunder: man hat zu viel auf den Schultern, trägt zu viel: Schulterschmerzen als Ergebnis. Meist eben auch Dinge von anderen Menschen. Daher bekommen eben auch so viel Frauen diese Probleme. Von ihrer Natur liegt es Nahe, Dinge für andere zu tragen bzw. zu machen (insbesondere gegenüber den Kindern).
Heute war dieser Punkt m.E. der Hauptgrund für die Schulterprobleme. Weil ich meine Denke und mein Verhalten ändern musste, dauerte es eben auch lange.
Was hat noch geholfen?
Auf jeden Fall ist die richtige Haltung und der Muskelaufbau das A und O!
Ist wie beim Rücken. Die Muskel sind wahnsinnig wichtig um die Knochen und Sehnen für Belastungen zu schützen.
Problem war nur, durch die monatelange Schonhaltung, musste der ganze Bewegungsapparat wieder an Bewegung gewöhnt werden.
Also habe ich die Schulterhilfe verwendet und versucht alle 2 Tage meine Bewegungsübungen zu machen.
Die Übungen habe ich mir selber zusammengestellt. Aus eigener Erfahrung (hatte immer schon viel Sport getrieben) und aus dem Internet.
Ganz wichtig war auch die Schultern hängen zu lassen. Ich hatte sie immer in einer Schonhaltung auch nach oben gezogen. War mir über Monate nie aufgefallen!
Schultern auch nach hinten dehnen.
Alle Übungen sehr vorsichtig machen, sehr viel Geduld haben! Nicht zu viel Gewicht, immer langsam (!!!) steigern. Und: immer wieder bewegen. Ich dachte lange, ich löse das Problem vor allem mit Muskelaufbau. Bewegung war aber genauso wichtig.
Vor ca. 2 Monaten war ich dann bei Prof. Imhoff in München. Wollte, dass nochmal ein bekannter Fachmann die Sache anschaut. Er hat zwar sehr gute Fachkenntnisse (soweit ich das beurteilen kann), nahm sich leider nicht die notwendige Zeit. Ist halt auch schlecht. Besonders auf mich eingegangen ist er nicht. Lief ab wie bei der Stippvisite im Krankenhaus. Am Versichertenschaft kann es nicht liegen, da ich Privatpatient bin. Seine Diagnose: bis. SLIP-Läsionen. Wenn es in 6 Wochen nicht besser ist, OP an beiden Schultern. Begründung: ja, Sie waren ja auch Volleyballer. Aber warum habe ich dann auch links die gleichen Probleme? Die linke Schulter wird beim Volleyball (als Rechtshänder) nicht besonders belastet.
Der Assistenzart war sehr nett. Er tippte auf eine Entzündung der Bizepssehne. Die kurze Bizepssehne tat mehr weh als die lange (hatte er noch nie, sagte er). Warum? Ich konnte über viele Monate nicht am Schreibtisch arbeiten. Also habe ich auf dem Sofa gearbeitet mit dem Laptop (bin selbständig). Ich kann ja über Monate nicht Nichts machen! So kam es wahrscheinlich zur Reizung wegen der einseitigen Belastung.
Auf die möglichen Gründe kommt man aber nur, wenn man sich Zeit nimmt und über das Verhalten und Belastungen der letzten Monate und Jahre ausführlich spricht!
Man muss immer selber kritisch mitdenken. Es gibt leider wenig gute Fachleute und wenige die ihren Job gewissenhaft machen. Sorry, ist für mich einfach auch ne Erfahrung hieraus. Zum Glück kann mir auch selber Dinge anlesen und ich war früher Leistungssportler. Einen gutes Körpergefühl zu haben ist für die Diagnose und die Schulterübungen auch wichtig.
Momentan mache ich zweimal die Woche meine Übungen. Vorher hatte ich auch zweimal die Woche Sport gemacht mit Übungen für den Rücken und den Bauch (als Schreibtischsitzer sehr wichtig, Rückenschmerzen sind Volkskrankheit Nr. 1), also ist kein Problem für mich. Mache ich gern für meine Gesundheit.
Schulterhilfe, kombiniert mit Theraband und Hanteln mit Sand. Ist immer besser Übungen zu kombinieren, dass unterschiedliche Muskeln angesprochen werden und die Muskeln auch anders angesprochen werden. Dann noch Bewegungsübungen und Dehnungsübungen.
Naja, und dann bin ich halt bei dem psych. / seelischen Thema dran. Der Mensch ist ja keine Maschine. Krankheiten stehen immer für etwas (meine Meinung, muss aber jeder selber wissen wie er sich selbst definiert).
Auf jeden Fall herzlichen Dank auch an dieses Forum und deren Schreiber. Das war für mich sehr wertvoll!
Mein Fazit: die Dauer, die Schmerzen und die Einschränkungen: Wahnsinn! Auf der anderen Seite gibt es viel Schlimmeres. Und dadurch, dass ich mich auch verändert habe, gelernt habe verantwortlicher mit mir umzugehen, mein Helfersyndrom zu verändern, habe ich viel gelernt.
Ich wünsche allen eine gute Besserung!

Gruß
PS: ich hoffe, der Bericht war jetzt nicht zu lang